Rammstein - Mutter

Seitdem sie 1993 auf der Bildfläche erschienen, polarisieren Rammstein das Publikum. Ihre Musik, eine Mischung aus Metal, Gothic und Industrial, wird entweder bejubelt oder barsch abgelehnt. Und die provokanten, im Befehlston eines Kasernenhofwärters vorgetragenen Liedertexte lösen stets Kontroversen aus.

Nun erfahren einige von Rammsteins Versen eine ziemlich radikale Umdeutung. Für Mein Herz brennt hat Torsten Rasch mehrere Lyrics aus der Feder von Till Lindemann aufgegriffen und für ein Sinfonieorchester neu vertont. Dabei reizt der ostdeutsche Komponist die Klangfarben des großen Orchesters voll aus und führt die Ahnenreihe von Richard Wagners Spätromantik über die neutönerische Avantgarde von Arnold Schönberg bis zur neuen E-Musik unserer Tage schlüssig fort (z. B. im Stück “Herzeleid”).

Manchmal setzt der Mann, der sich als Verfasser von 30 Filmsoundtracks einen Namen gemacht hat, allerdings auch wirkungsvoll auf kinematografische Tontexturen (”Seemann”) oder ethno-folkloristische Anklänge (”Sehnsucht”). Tatkräftig unterstützt wird Rasch von Schauspielerin Katharina Thalbach (Die Blechtrommel, Sonnenallee, Mutter Courage) als Sprecherin und dem international gefeierten Bass-Bariton René Pape in den Gesangspassagen. Die auf zeitgenössische Kompositionen spezialisierten Dresdner Sinfoniker waren zudem genau die richtige Wahl für diese modernen Partituren.

Während Rammstein auf eine wuchtige Mixtur aus Brachialgewalt, animalischer Lust und teutonischer Finsternis setzen, erfahren dieselben Lyrics nun eine viel feinfühligere, vielschichtigere Interpretation. Ihre holzschnittartigen Textzeilen bekommen in der Fassung der großartig agierenden Thalbach und des stimmlich wie immer tadellosen René Pape weitere Dimensionen. So ist etwa das vom Altern und Sterben handelnde “Nebel” hier noch eindringlicher; “Ich will”, eine Meditation über die verführerische Macht großer Zeitgenossen, erhält merklich mehr Tiefgang; und die in “Mein Herz brennt” beschriebene Urangst vor Geistern und Dämonen wird geradezu körperlich spürbar.

Diese faszinierenden “Variationen über Rammstein” dürften Fans der Band und Anhänger der experimentierfreudigen Klassik gleichermaßen begeistern. Für stiloffene Hörabenteurer und Musikfreunde ohne Scheuklappen ist die gewagte Produktion in jeder Hinsicht ein echter Glücksfall! –Harald Kepler

CD 1

  • 1. Mutter (Radio Edit)
  • 2. Mutter (Vocoder Mix)
  • 3. 5/4
  • 4. Mutter (Sono’s Inkubator Mix)
  • 5. Feuer Frei!
  • 6. Mutter
  • 7. Spieluhr
  • 8. Zwitter
  • 9. Rein Raus
  • 10. Adios
  • 11. Nebel
  • CD 2

    • 1. Ich will (Live)
    • 2. Links 234 (Live)
    • 3. Sonne (Live)
    • 4. Spieluhr (Live)

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