Pearl Jam - Riot Act

Als letzte Überlebende des großen Seattle-Triumvirats Nirvana/Soundgarden/Pearl Jam können Eddie Vedder, Stone Gossard und Co. dieser Tage herabblicken auf ein Heer von hypererfolgreichen Pathos-Rockern à la Creed und Nickelback, die sich auf den — Achtung, das böse Wort — Grunge der 90er-Jahre berufen, aber einen breitbeinigen Testosteron-Stadion-Rock auftischen, mit dem Pearl Jam nie viel zu tun hatten und heute noch viel weniger haben. Ihnen scheint es stattdessen ganz recht zu sein, nicht mehr absolut im Zentrum des Interesses des Rock-Publikums zu stehen und in schöner Regelmäßigkeit reife, fassettenreiche und angenehm klischeefreie Alben veröffentlichen zu können.

Riot Act ist wieder so eines geworden, eine zunächst unspektakuläre, sich mit mehrmaligem Anhören entfaltende Angelegenheit zwischen immer noch stellenweise aufschäumendem Zorn und in sich ruhender Spiritualität. Knarzige, trocken produzierte Rocker wie “Can’t Keep”, “Save You”, das ratternde “Green Disease” oder das vertrackt synkopierte “1/2 Full” stehen neben in warmen Harmonien schwelgenden und klanglich breitbandigen Songs wie “Love Boat Captain”, der Single “I Am Mine” oder dem spukig wummernden “You Are”. Einer der besten Songs des Albums, “Cropduster”, überrascht freudig mit Country-Harmoniegesang und in “Bushleaguer” macht sich Eddie Vedder über ein paar politische Dinge Luft. Überhaupt Vedder: Je älter und unangestrengter der Mann mit der Brummstimme wird, desto lieber hört man ihm zu. Vokal-Posing hat der nicht mehr nötig. Da könnten sich die Nickelcreed-Klone mal eine Scheibe oder zwei abschneiden. –Josef Winkler

  • 1. Can’t Keep
  • 2. Save You
  • 3. Love Boat Captain
  • 4. Cropduster
  • 5. Ghost
  • 6. I Am Mine
  • 7. Thumbing My Way
  • 8. You Are
  • 9. Get Right
  • 10. Green Disease
  • 11. Help Help
  • 12. Bushleaguer
  • 13. 1/2 Full
  • 14. Arc
  • 15. All Or None
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