the Fiery Furnaces - Gallowsbird S Bark
Alle gitarrengeilen Augen sind im Herbst 2003 auf die neuen Platten von Cooper Temple Clause, The Strokes, Black Rebel Motorcycle Club oder Starsailor gerichtet. Dabei lohnt es sich durchaus einmal, hinter Schränke, unter Regale oder in Seitenfächer zu schauen. Da gibt es zum Beispiel die Fiery Furnaces und deren feines Werk Gallowsbird’s Bark zu entdecken.
The Fiery Furnaces bestehen aus Eleanor und Matthew, einem Geschwisterpaar aus Chicago mit Wohnort New York. Wenn jetzt noch jemand kolportiert, dass sie auf diesem Weg in Detroit ihre Freunde White Stripes besucht haben, um kurz darauf Adam Green zu treffen, dann lachen wir uns scheckig. Das wäre eine schöne Geschichte, aber auch so reihen sich die Fiery Furnaces vorzüglich in die Riege einer jungen, kreativen und mit der Vergangenheit angenehm unkompliziert umgehenden Underground-Generation ein. Die erfindet den Rock ‘n’ Roll zwar nicht sekündlich neu, versetzt ihm aber mit absurder Songwritertechnik ein paar köstlich platzierte Leberhaken. Ist das schön, wenn der gute alte Rock taumelt, komisch zuckt und die Augen verdreht, ohne k.o. zu gehen.
The Fiery Furnaces klingen so, als wenn Velvet Underground nicht von Andy Warhol, sondern einem Rummelplatzbesitzer mit Sinn für leicht verrückte Texte erfunden worden wären. Oder wenn Roger Daltrey eine Frau wäre, heiß geliebt von einem von elektronischen Spielereien besessenen Pete Townshend. Ach ja, Matthew ist bekennender Who-Fan, der nach einem längeren Deutschlandaufenthalt weder die Sprache gelernt, noch seinen Humor verloren hat. Was noch so ein Versuch ist, den Geist des sich in regelmäßiger Schräglage befindenden, überaus reizvollen Albums Gallowsbird’s Bark zu beschreiben. Aber Galgenvögel können auch nicht bellen. –Sven Niechziol
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