Mountain Goats - We Shall All Be Healed
Im Gegensatz zum Vorgängeralbum Tallahassee drehen sich die Texte von We Shall All Be Healed angeblich um reale Personen, mit denen John Darnielle persönlich zu tun hatte. Nicht, dass es einen Unterschied machen würde: Gegenstand der 13 Songs des Kopfs der Mountain Goats sind erneut die Abgründe der menschlichen Existenz, die er scheinbar unbeeindruckt zu bissig-sarkastischen Textskizzen verarbeitet. Allerdings beginnt man sich unweigerlich zu fragen, ob der Mann mit der schneidenden Stimme in seinem Leben eigentlich bisher nur mit skrupellosen Schmarotzern und gefährlichen Psychopathen zu tun hatte.
Wie auf Tallahassee kleidet er seine Geschichten in schlicht gehaltenen, akustischen Indie-Rock, wie er kaum schnörkelloser sein könnte. Alte Fans, von denen es in Europa allerdings nicht übermäßig viele geben dürfte, werden erneut den Charme der primitiven Produktion früherer Tage vermissen, als Darnielle seine Songs einfach mit einer alten Panasonic Boom Box aufnahm und auf Kassetten unters Volk brachte. Das Gerüst der Musik ist jedoch noch immer einfach Darnielles Stimme, die von mehr oder weniger frenetisch geschlagenen Akkorden auf der Akustikgitarre begleitet wird.
Tatsächlich ist die Musik eine Spur eingängiger geraten als beim Vorgängeralbum, zum Mainstream ist es aber noch ein weiter Weg. In “Your Belgian Things” kam zum Beispiel ein Klavier zum Einsatz, das laut Albuminfo jemand vergeblich im Studio zu verstecken versucht hatte. Dadurch gewinnt der Song, in dem jemand zusieht, wie die Sachen seines verschwundenen belgischen Mitbewohners von Männern in Schutzanzügen abgeholt werden, noch eine wehmütig klingende Note und man kann sich beim Zuhören ein Schmunzeln dann doch nicht verkneifen. –Albrecht Volk
Tags: Mountain Goats








