the Rolling Stones - A Bigger Bang

Für Wirbel sorgten vor Veröffentlichung des neuen Stones-Album A Bigger Bang ausgerechnet Politiker. Dem George-W.-Bush-Lager stieß der musikalisch halbherzige Reggae “Sweet Neo Con” auf, woraufhin Jagger noch halbherziger zurückruderte, denn Neokonservative gäbe es ja überall. Richtig, auch Rockbands sind nicht davor gefeit. Dass Kanzelkandidatin mit dem Uralthit “Angie” punkten wollte, ging auch nach hinten los, weil die Stones ihre Songs nicht einfach verschenken. Sechzehn neue sind es auf dem ersten Studioalbum seit acht Jahren, nach fast zwei Jahrzehnten erstmals wieder aus der gemeinsamen Feder der Streithansl Jagger und Richards. Als Bassist half Darryl Jones aus, produziert hat Don Was, sparsam, rauh, fast live.

Nun stellt sich die müßige Frage: was ist wirklich neu? Ein Song, der unter diesem Titel noch nicht da war, aber in ähnlicher Form schon existiert? Und da gibts für fast jeden auf dem neuen Album ein früheres Parallelbeispiel, was findige DJs freuen wird, die damit nahtlos Mixes aus Alt und Neu basteln können: “It Won’t Take Long”, “Rain Fall Down”, “Back Of My Hand”, “Laugh, I Nearly Died” und “Driving Too Fast”, wo man gleich “Jumpin` Jack Flash” um die Ecke kommen hört. In 40 Jahren sammelt sich ne Menge Ausschussware an, deren Verwertung durchaus legitim ist, und wenn sie nach Stones klingt, zudem schon die halbe Miete. Was für die erste Single, das blasse “Streets Of Love” leider nicht zutrifft. Solider Rock`n`Roll bietet “Rough Justice” und das rauhe “Let Me Down Slow”, der funky Groove macht “Rain Fall Down” zum Ohrwurm, Richards Nichtgesang schmälert weder sein Lamento “This Place Is Empty” noch den Bluesrock “Infamy”. Jagger brilliert mit der Blues-Neuauflage “Back Of My Hand” und der maniriert-hypnotischen Ballade “Laugh, I Nearly Died”.

Über die Viagra-verdächtigen Sugardaddy-Texte aus altpupertärem Macho-Vokabular der notorische Tits-And-Ass-Aufreisser hüllt man besser den Schleier des Schweigens. Manchmal bewegt sich das Songtandem Jagger-Richards inzwischen am Rande der Parodie. Auch wenn viele jubeln, weil die neue Scheibe seit “Exile on Main Street” mit 64 Minuten die längste ist, wäre weniger mehr und runder gewesen. So bleibt es bei solider Ware mit vielen Erkennungswerten. – Ingeborg Schober

CD 1

  • 1. Rough Justice
  • 2. Let Me Down Slow
  • 3. It Won’t Take Long
  • 4. Rain Fall Down
  • 5. Streets Of Love
  • 6. Back Of My Hand
  • 7. She Saw Me Coming
  • 8. Biggest Mistake
  • 9. This Place Is Empty
  • 10. Oh No, Not You Again
  • 11. Dangerous Beauty
  • 12. Laugh, I Nearly Died
  • 13. Sweet Neo Con
  • 14. Look What The Cat Dragged In
  • 15. Driving Too Fast
  • 16. Infamy
  • 17. Photo gallery (Data Track)
  • CD 2

    • 1. Introduction into a bigger bang
    • 2. Streets of love (Video)
    • 3. Streets of love (Tv Performance)
    • 4. Rough justice (Tv Performance)
    • 5. Under the radar
    • 6. Don’t wanna go home
    • 7. Rain fall down (Ashley Beedles Heavy Disco Vocal Re-Edit)
    • 8. Album lyrics

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