Ron Sexsmith - Retriever
Es ist schon ungerecht: Große Namen von Paul McCartney bis zu Coldplay-Sänger Chris Martin bekennen sich als Fans des Kanadiers Ron Sexsmith, trotzdem kennen ihn nur wenige und noch weniger Leute haben bisher seine Alben gekauft. Dabei geht sein romantisch-melancholischer Singer/Songwriter-Folkpop gar nicht schwer ins Ohr. Ein wenig vergleichbar mit Elvis Costello (der den Kanadier ebenfalls schätzt), jedoch mit sanfterem Gesang, zeichnen sich Ron Sexsmiths Songs auf Retriever, seinem siebten Album, durch ausgesprochen schöne Melodien aus, unter deren Oberfläche allerhand Tiefgang steckt.
Musikalisch ist Retriever vor allem nach hinten in die Popgeschichte orientiert, wie bei “Whatever It Takes”, das Bill Withers’ Soulpop Tribut zollt. Textlich handeln viele der überwiegend balladenartigen Kompositionen von Persönlichem, doch darunter finden sich auch subtile kritische Statements: “From Now On” äußert sich beispielsweise gegen das vorherrschende Klima der Angst (”They’re in the business of panic and control/We’re in the business of the heart and of the soul”) und das von gezupften Akustikgitarrenklängen begleitete “For The Driver” macht eindringlich klar, dass jede Sache zwei Seiten hat und ist zugleich ein Bekenntnis zu menschlichem Mitgefühl.
Produziert wurde Retriever, wie schon der viel gelobte Vorgänger Cobblestone Runway, von dem Schweden Martin Terefe, der diesmal auf die Unterlegung mit rhythmischen Beats verzichtete. Auch rockige Klänge sind rar gesät (z.B. auf “Wishing Wells”), die Songs sind überwiegend akustisch und reichlich “retro” instrumentriert, wobei vor allem Ed Harcourts Klavierspiel hervortritt. Manchmal, wie bei der bittersüßen Ballade “Dandelion Wine”, gerät die Produktion nahe an den Easy-Listening-Bereich, schafft es jedoch, sich dabei weniger schnulzig, als mit einem Augenzwinkern sentimental anzuhören
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